Leserbriefe des Aktionsbündnisses

Profis ans Werk!

Leserbrief an den NT

Der Ruf von Stadtvertretern und NT-Kommentatoren nach konkreten Vorschlägen des Aktionsbündnisses, wie es denn nun weiter gehen soll, ist absurd. Weder sind wir verpflichtet, noch in der Lage, die Arbeit der Stadt zu machen. Denn nur diese hat Zugriff auf Hintergrundinformationen und Ressourcen, ohne die konkrete Vorschläge unmöglich sind.

Das Aktionsbündnis ist ein Zusammenschluss zum Walderhalt, das den ökologischen Irrsinn und die Unwirtschaftlichkeit von West IV aufgedeckt hat. Die Stadt konnte mit dieser „Kampagne“ nur deshalb nicht mithalten, weil sie den Notwendigkeiten der heutigen Zeit keine glaubwürdigen Lösungen anzubieten hatte. Alt-OB Seggewiß vermutet: “Da waren Profis am Werk“. Das schmeichelt uns natürlich, schließlich wurde alles aus den eigenen Reihen gestemmt.

Die Stadt dagegen legt ihren eigenen Fachkräften gerne Steine in den Weg. Architekt und Stadtplaner Karlheinz Beer (CSU) wurde zu seiner Zeit als Stadtrat nicht in den Bauausschuss gewählt und die diplomierte Umwelttechnikerin Laura Weber (Grüne) als Stadträtin unlängst nicht in den Klimaauschuss. Wie das? Beide sahen keine Zukunft für West IV.

Vielleicht wäre eine offenere Diskussion in Zukunft besser, als Sündenböcke zu suchen. Roland Richter sieht das Wahlergebnis gegen West IV und für Walderhalt als „klare Anweisung an die Politik“. OB Jens Meyer fordert den Stadtrat auf, den Bürgerwillen zu akzeptieren und dazu beizutragen, Alternativen zu entwickeln. Das macht Hoffnung. Lasst bei der Stadt „Profis ans Werk”.

Sebastian Schwarzmeier
Weiden, 17. Februar 2021

„Waffengleichheit“ – David gegen Goliath – Wer ist hier Wer?

Zum NT-Artikel NT vom 16. Februar 2021

Obwohl Schadenfreude ja (v.a. nach einem nicht unbedingt zu erwartendem Sieg bekanntlich menschlich ist, entspricht sie nach unserem heutigen Verständnis nicht mehr ganz den Fair-Play-Regeln einer demokratischen Gesellschaft. Deshalb soll an dieser Stelle auch nicht nachgetreten werden im Hinblick auf die unmittelbaren Reaktionen der West IV-Befürworter nach Bekanntgabe des Ergebnisses des Bürgerentscheids.

Den Sieg des Aktionsbündnisses jedoch als „Supergau“ hinzustellen, verlangt schon eine Reaktion, zeugt sie doch davon, wie sehr man die Anhänger des Aktionsbündnisses unterschätzt hat und wie wenig man von den Zeichen des Klimawandels offensichtlich Notiz genommen hat. Und wenn dann noch OB Jens Meyer die fehlende „Waffengleichheit“ gegenüber den Kampagnen des Aktionsbündnisses als Erklärung für die Niederlage des Ratsbegehrens bemüht, dann fragt man sich schon, ob er nicht die Ausgangspositionen beider Gruppierungen verwechselt bzw. vergessen hat.

Es waren doch die „ Aktionsbündler“, die mit ungleichen Waffen kämpfen mussten. Geradezu „hemdsärmlig“ begab man sich zu Anfang an die schier unlösbare Aufgabe, die geforderten knapp 3000 Unterschriften zusammenzubringen, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Konnte man sich ganz zu Anfang noch im Wirtshaus treffen, waren wir seit November nur noch auf virtuelle treffen beschränkt. Die Kosten für Plakate, Flyer usw. wurden größtenteils aus privaten Mitteln bestritten. Natürlich haben die sozialen Medien den „Walderhaltern“ in die Karten gespielt. Aber hätten die West-IV-Befürworter diese nicht auch für sich einsetzen können?

Es ist natürlich so, dass Facebook u. ähnliche Netzwerke vorwiegend von der jüngeren Generation genutzt werden. Die Tatsache, dass diese mehr auf den Zug „Walderhalt“ aufgesprungen sind, zeugt doch davon, dass gerade die junge Generation nicht nur nach Arbeitsplätzen fragt, sondern ernsthaft besorgt ist um eine lebenswerte Zukunft in ihrer Stadt. Wir alle wollen Arbeitsplätze, wir sind auch nicht gegen Gewerbegebiete, doch die Rodung von 72 Hektar Wald stellen in der heutigen Zeit einen Frevel an der Natur dar. Das wäre wirklich der SUPERGAU fürs Klima in unmittelbarer Nähe. Es gäbe so viele Möglichkeiten, wie Weiden sich zu einer lebendigen Stadt weiter entwickeln könnte: Alternativ-Flächen, Entsiegelung von Brach-Flächen, Belebung der Innenstadt durch Sanierung von Altbauten, attraktiver Einzelhandel usw….. Auch das brächte viele lohnenswerte Arbeitsplätze!!!

Brigitte Frömmer
Weiden, 17. Februar 2021

Märchenstunde in Weiden

Zur Berichterstattung im NT am 16.2.21 (Seite 11 und 12)

Der böse Wolf war unterwegs! Vom Wähler „in Stücke gerissen“ wurde Plan A, das Gewerbegebiet West IV. Wo sind die Pläne B und C, warum hat man immer aufs gleiche Pferd gesetzt?

Ein „Imageverlust für die Stadt“, man müsse „interessanten Unternehmen“ eine Absage erteilen. Warum eigentlich? West IV wäre frühestens in einigen Jahren verfügbar gewesen. Will man es in diesem Zeitraum nicht schaffen, Alternativen zu entwickeln? Die Alternativenprüfung muss fertiggestellt werden. Ja, aber nicht „damit die Auswahl der Flächen für Weiden West IV nachdrücklich bestätigt wird“.

Man sollte jetzt besser zugeben, dass weitere Flächen denkbar sind und diese zielgerichtet prüfen, und zwar auch unter Berücksichtigung von Klimaschutzwirkung und Erschließungsaufwand! Die Bürger*innen haben sich informiert und klug entschieden! Unklug ist es, anhaltend Märchen zu verbreiten, wie das vom „Super-GAU für Weiden“. Meint Frau Taubmann wirklich, dass das noch jemand glaubt?

Glaubwürdig werden unsere Stadträte jetzt, wenn sie nicht nur das Ergebnis des Bürgerentscheids anerkennen, was sie müssen, sondern am 8. März gleich Weichen stellen: Zustimmung für den Antrag von Grün.Bunt.Weiden und Demokratisch-Ökologisch Weiden zur  Erschließung von innerstädtischen Gewerbeflächen!

Irmi Eckel
Weiden, 16. Februar 2021

West IV und die gute Fee

Leserbrief an den NT

Wie die Stadt Weiden dazu kommt, soviel Geld in den Sand zu setzen und wo dieses herkommt. Wenn man sich in der Politik etwas „Teures“ wünscht und nicht genug Geld hat, hilft einem die gute Fee genannt „die öffentliche Hand“. Stellen wir uns mal vor die Fee hat einen Wald in diesem Fall der Staatswald im Weidener Westen. Jetzt kommt der Stadtrat und sagt er möchte diesen Wald kaufen. Die Stadt Weiden geht zur gleichen guten Fee und sagt, sie hätte etwas großartiges vor und braucht Geld dafür. So bekommt sie von der guten Fee über die vielen Geldtöpfe aus Berlin, München Regensburg und Brüssel viel Geld und kauft den Wald dem Freistaat ab.

Dann gehört der Wald der Stadt. Als sog Ausgleichsfläche für das angeblich „großartige Projekt“ kauft die Stadt wieder mit dem Geld der guten Fee eine sogenannte Ausgleichsfläche irgendwo. Nun will die Stadt ein Industriegebiet anlegen und rodet den Wald baut Straßen, verlegt Strom Wasser Breitbandanschluss und so weiter. Dann bauen Bund oder Land noch einen riesigen Kreisverkehr Einstöckig damit der überlastete Verkehr irgendwie fließen kann. Am Ende steht eine Rechnung von vielen Millionen Euro welche die gute Fee bezahlen muss.

Dann kommen die Investoren und erwerben Grund in dem Industriegebiet und Bauen einen Betrieb. Sie können wahrscheinlich den größten Teil ihrer Kosten für Grunderwerb und Bau in den nächsten Jahren von ihrer Steuer an die gute Fee absetzen. Für das Geld was die öffentliche Hand hier investiert könnten wir jedem der Arbeitslosen in Weiden eine hochqualifizierte Weiterbildung finanzieren, unsere Schulen instandsetzen und technisch und personell zeitgemäß ausstatten und hätten noch viele Millionen übrig.

Die Gute Fee bekommt übrigens das Geld von uns allen in diesem Land, die wir täglich arbeiten und Steuern zahlen. Hinzu kommt, hier geht es um eine großangelegte Privatisierung von Eigentum der Gesellschaft und dies auch noch finanziert mit dem Geld der Gesellschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Lehmann
Diplom Sozialpädagoge (FH)
Weiden, 10. Februar 2021

Offener Brief

Sehr geehrte Weidener Bürger,

auch wenn die meisten von Ihnen Ihren Stimmzettel bereits abgeschickt haben, muss ich noch etwas loswerden. 

Es wird leider immer impliziert, dass die Wahl zwischen Arbeitsplätzen und Wald stattfinden würde, das ist mitnichten der Fall. Das Aktionsbündnis Walderhalt ist durchaus für die Ansiedlung von Gewerbe, aber nicht an diesem Standort. Bislang konnte unser Stadtrat, Oberbürgermeister und auch der Wirtschaftsentwickler nicht einmal konkret benennen, welche Art von Arbeitsplätzen geschaffen werden sollen. Einfache Jobs, in denen ein paar wenige der Langzeitsarbeitslosen eine Stelle finden sollen, Plätze für diejenigen, die in Weiden studieren und dann hier arbeiten sollen, dann wieder Handwerksbetriebe die wachsen wollen. Allerdings soll das alles unter hohen ökologischen Auflagen stattfinden und dann doch wieder anders…..

Bisher konnte mir auch noch keiner erklären, warum dass alles in einem Gebiet zusammenhängen muss, das zum einem bereits jetzt verkehrstechnisch stark belastet ist und zum anderen nur mit massiven Eingriffen in Natur und extrem hohen Kosten zu erschließen ist.

Für Bürogebäude bieten sich z.B. die Grundstücke an der Wilhelm-Maybach-Straße (hinter der Polizei, an der Autobahn entlang) an, die als Gewerbegebiet seit Jahrzehnten nahezu leer stehen. Für Handwerksbetriebe gibt es einige Flächen im Gebiet an der Neustädter Straße, rund um den neuen Festplatz, das ATU-Logistikareal steht demnächst wieder zur Pacht frei. 

Leider hat sich der Stadtrat schon vor Jahren auf das Gebiet WEST IV festgelegt und somit die Kriterien zur Bewertung angepasst.

Ein weiteres Argument ist auch immer, dass wir Arbeitsplätze für unsere Kinder und Jugendlichen brauchen. Es sind genau diese, die Freitag auf die Straße gehen, um für Natur und Klima zu demonstrieren. Und für diese soll der Wald gerodet werden? Das widerspricht sich doch. Fragt mal die Kinder selbst, ob sie wollen, dass 500.00 Bäume geopfert werden oder ob ihnen ganz andere Konzepte vorschweben.

Noch kurz zum Thema Natur: Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang auch an das bayernweite Volksbegehren zur Artenvielfalt, das 2019 mit großer Mehrheit angenommen wurde und von unserem bayrischen Ministerpräsidenten Söder und dem bayrischen Landtag wörtlich übernommen wurde und als „von großer Wichtigkeit“ bezeichnet wurde. Wenn man im Sommer in diesem Wald spazieren geht oder den schönen Radweg nach Pressath nutzt, stellt man fest, dass es bei diesem Wald sich nicht um einen „Stangerlwald“ oder „Wirtschaftswald“ dreht, sondern um einen Mischwald mit verschiedensten Bäumen, Niedrigwuchs wie Schwarzbeeren, Heidekraut und vieles mehr. Wenn man in diesem Wald steht summt und brummt es von verschiedensten Insekten. Das alles soll geopfert werden, um ein Prestigeobjekt zu erschaffen? Nein!

Mit freundlichen Grüßen
Peter Trottmann, Weiden 8.2.2021

Offener Brief

Die derzeitigen Bestrebungen zum Gewerbegebiet WW IV verfolge ich mit großer Sorge. Als Biologen sind mir die Bedeutung des Waldes und seine vielen Funktionen besonders präsent. Der Wald ist ein wertvolles Gut. Sein Wert lässt sich nicht mehr nur in zu erwartenden Festmetern pro Hektar oder nach Rodung zu erwartender Gewerbesteuer pro qm bzw. anhand der potenziell entstehenden Arbeitsplätze bemessen. Der wahre Wert des Waldes ist in der heutigen Zeit und in Anbetracht einer sich immer mehr zuspitzenden Klimakrise nahezu unermesslich. 

Einmal zerstört, lässt sich Wald nicht einfach wiederherstellen. Die Folgen von großflächigen Kahlschlägen in der Vergangenheit sind trotz intensiver Bemühungen zur Aufforstung längst nicht behoben und bedürfen weiterer vieler Hundert Jahre, um erneut einen annähernd funktionierenden Wald zu erzeugen. Natürlich handelt es sich bei dem Wald im Weidener Westen um einen Wirtschaftswald. Dies trifft allerdings auf den überwiegenden Teil des Waldes in Deutschland zu. Dieser Zustand resultiert aus Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht wurden und die nun im Rahmen eines langwierigen und auch teuren Umbauprozesses hin zu einem gesunden Mischwald korrigiert werden müssen. Der Umbauprozess ist in dem betroffenen Waldgebiet bereits begonnen worden. Ein gesunder Mischwald kann nun im Schutz des bestehenden Bestandes nachwachsen. Wald ist mehr als nur Bäume! Deshalb hilft es auch nicht zu versuchen, einen Wald mit mehreren in der Summe vielleicht gleich großen Ausgleichsflächen zu ersetzen. Wald kann seine Wirkung nur in der Fläche entfalten und diese zusammenhängenden Flächen nehmen auch in der Oberpfalz stetig und in drastischer Weise weiter ab! 

Der Wald ist nicht nur lebensnotwendig für die Bewohner des Waldes, sondern vor allem auch für uns Menschen. Diese Erkenntnis reift mittlerweile auch in immer mehr Ländern, die, um am wirtschaftlichen Erfolg zu partizipieren, große Waldflächen gerodet haben bzw. noch immer roden. Die Bundesregierung finanziert in vielen dieser Länder und im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit umfangreiche Maßnahmen zur Wiederaufforstung sowie zur Umweltbildung, um den Menschen die Bedeutung dieser Lebensgrundlage zu vermitteln. Ich hoffe an dieser Stelle, dass wir nicht in die Situation kommen und erst von Dritten auf unsere Fehler aufmerksam gemacht werden müssen bzw. in der Zukunft auf Hilfe angewiesen sein werden, damit wir unsere eigene Lebensgrundlage mühsam wiederherstellen. 

Dr. S. Reiser  
04.02.2021

Richtigstellung zur Richtigstellung

Leserbrief an den NT zum Artikel „Weidens letzter Schuss“ vom 2.2.2021

Richtigstellung zur Richtigstellung

„70 Hektar Wald fallen“
Mindestens. Bei den Zahlenspielen von Herrn Zeitler kann jeder selbst die 7 Hektar finden, die er im Artikel unterschlägt. Auch im Randgebiet des Areals werden weiter Bäume schwinden. Vor allem der Waldstreifen zwischen West IV und B470 wird sich nicht lange halten können. Herr Skutella bezieht sich bei seiner Berechnung der Baumanzahl auf die Richtlinien zur Aufforstung. Diese greift jedoch nicht bei Bestandswald. Für den Pressather Wald werden erwachsene Bäume und nachwachsender Bestand gezählt. Wenn man die Formel zu Berechnung für Gesamtbestand heranzieht, stehen auf der Fläche, die für West IV gerodet werden soll, ca. 500.000 Bäume. Diese Zahl stammt vom zuständigen Beamten für besagten Staatsforst.

„Baulandpreis zu hoch“
Wieso vergleicht Herr Schlicht den Gewerbeflächenpreis von West IV mit Flächen zwischen München und Augsburg, und nicht mit Luhe und Altenstadt/WN? Für den Standort West IV muss in gleicher Größe und Qualität Tauschwald angeschafft werden, zudem Ausgleichsfläche zur Wiederaufforstung, und immer mehr verkehrliche Maßnahmen werden notwendig. Natürlich macht das den Quadratmeterpreis für West IV deutlich teuer, als für Gewerbeflächen in unmittelbarer Nachbarschaft.

„Verkehrskollaps droht“
Es verwundert durchaus, dass Herr Richter den Kreisel plötzlich zur ’nicht abgeschlossenen verkehrlichen Erschließung der Industriegebiete West I bis III‘ rechnet. Sollte diese Baumaßnahme dann nicht schon längst im Bundesverkehrswegeplan zu finden sein? Denn dort steht sie noch nicht.

„Alternativenprüfung zu lasch“
Es ist kein Geheimnis, dass die Stadt seit 2008 Pläne für ein zusätzliches Gewerbegebiet im Westen schmiedet. Herr Brodrecht, der auf Vermittlung von Stadtkämmerin Taubmann die erste Planung für West IV ohne Ausschreibung übernommen hat, ist geschäftlich öffentlich mit MdL Nussel (CSU) verbunden, der auch als Waldflächen-Immobilenmakler tätig ist und schon 2013 Tauschwald für West IV über die SGW an Weiden verkauft hat. Zum damals unüblich hohen Kaufpreis von 4,10 Euro pro Quadratmeter. Vieles davon ist dank einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung durch MdL Mistol (Grüne) öffentlich. Vor diesem Hintergrund wundert es wenig, dass die Stadt West IV gerne als alternativlos darstellt. Wie OB Meyer in der ersten städtischen Videosprechstunde angemerkt hat, sollte nichts davon kriminell sein. Korrekt ist es deshalb aber noch lange nicht. Das endgültige Prüfungsergebnis aller potentiellen Standorte für ein neues Weidener Gewerbegebiet liegt derweil immer noch nicht vor.

„Besser interkommunal“
Walderhalt und neue Gewerbeflächen schließen sich nicht aus, auch wenn die Stichfrage auf dem Bürgerentscheid genau das bewusst suggeriert. Laut Zeitler brauche Weiden West IV, um zukunftsfähig zu bleiben, neue Arbeitsplätze zu schaffen und auch um Gewerbesteuern zu stabilisieren bzw. neue zu generieren. Diese Aussage ist an der entscheidenden Stelle falsch. All das kann nachweislich auch ohne West IV und mit einer besseren Lösung erreicht werden, einem Standort, der ökologisch und wirtschaftlich Sinn macht.

Zur möglichen Reaktivierung der vielen Brachflächen in Weiden, nicht zuletzt angeregt durch Architekt und Stadtplaner Karlheinz Beer (CSU), äußert sich die Stadt auch nicht. Viele Brachflächen sind zum Teil sehr günstig anzukaufen und die Entfernung der Altlasten wird staatlich gefördert. Wieso setzt die Stadt da nicht den Hebel mit der gleichen Energie an, wie für West IV, bevor überhaupt zusätzliche Bodenversieglung in Betracht gezogen wird?

Sebastian Schwarzmeier
Weiden, 2. Februar 2021

Der letzte Schuss?

Leserbrief an den NT zum Artikel „Weidens letzter Schuss“ vom 2.2.2021

„Der letzte Schuss“ am Colorado River, oder wie? Wir spielen hier nicht Cowboy und Indianer, sondern wir setzen uns für eine lebenswerte Zukunft ein, hier bei uns, vor Ort, für eine Zukunft mit guter Luft, mit gesunden Böden, mit verträglicher Wirtschaft. Die Stadt Weiden hat die Chance, diese Entwicklung zu fördern. Waldrodung steht dabei nicht auf der Agenda. Und nochmals, so nebenbei bemerkt: Waldbewirtschaftung ist nicht gleich Abholzung. Mir scheint eher, da hat einer den Schuss nicht gehört?

Be my valentine!

Irene Kassubek NSR
Weiden, 2. Februar 2021

Warum Gewerbe oder Wald?

Leserbrief an den NT

Die Frage im Bürgerentscheid lautet: West IV oder Wald, überspitzt Gewerbe oder Natur? Dass außer  West IV keine anderen Flächen geeignet sind, soll die neue Untersuchung von Alternativflächen belegen. Bei dieser Suche geht es doch nicht darum, eine zweite, quasi identische Möglichkeit zu finden. Bei Alternativen werden vermutlich nicht alle Wunschvorstellungen umsetzbar sein, dafür können sie aber mit anderen Vorteilen punkten. Und es gibt auch keine Vorgabe, die besagt, dass dasselbe Ziel anstatt mit einer großen Fläche, nicht auch mit zwei oder mehr kleineren Flächen erreicht werden kann. Wenn es schon darum geht abzuwägen, welche Vor- oder Nachteile eine Fläche gegenüber einer anderen hat, dann müssen bitteschön alle Gesichtspunkte betrachtet werden: Nicht nur die Nähe zur nächsten Autobahn und die Zahl der Grundstückseigentümer, sondern alle sonstigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte. Neben Flächenverbrauch , Naturzerstörung, Lärmemissionen und Klimaschutz sind das vor allem auch das zukünftige Leben in der Stadt, die Entfernung zwischen Wohnen und Arbeiten bzw. Ausbildung, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, der allgemeinen Ver- und Entsorgung, kulturelle, sportliche und Gesundheitseinrichtungen, Mobilität, Zusammenarbeit zwischen Forschung/Entwicklung und Umsetzung in Produkte oder Dienstleistungen und vieles mehr. Um die Anforderungen von heute und morgen zu meistern, brauchen wir neue Ideen und Konzepte, nicht die Lösungen von gestern.

Jürgen Holl
Weiden, 31. Januar 2021

Leserbrief an den NT zum Artikel >Übers „Auge“ in die Gewerbegebiete<

Rechtzeitig vor dem Stichtag der Bürgerentscheide bekommen die Weidener Bürger immer tieferen Einblick in die ausufernden Planungen für das von den etablierten Parteien inbrünstig herbeigesehnte Gewerbegebiet Weiden West IV. Die Dimensionen des „Auges“, bisher nur schemenhaft erkennbar, treten zunehmend zu Tage. Ein Kreisel von atemberaubender Größe soll nördlich der bestehenden Fahrbahn der B 470 entstehen. Der daraus resultierende Flächenverbrauch macht ob seiner Maßlosigkeit sprachlos, genauso wie die Kosten, welche die „10-Millionen-Euro-Grenze“ laut Baudezernent Seidel locker reißen.

Die Konsequenzen dieses Bauvorhabens werden zudem zunehmend klarer. Die Fahrzeuglenker aus der Pressather Straße und der Straße von Latsch würden ein blaues Auge abbekommen, wenn ihnen das bisher gewohnte Linksabbiegen versagt würde. Das Resultat wären veränderte Verkehrsströme, die in den Modellrechnungen der Verkehrsplaner bis dato vehement ausgeschlossen wurden. Herr Seidels Statement in der „digitalen Bürgersprechstunde“ vom 22. Januar, dass sich die Anwohner der Joseph-Haas-Straße sowie der Neukirchener Bürger keine Sorgen über ein zunehmendes Verkehrsaufkommen machen müssten, hat somit eine außerordentlich kurze Halbwertszeit.

Sehr verwirrend sind auch die Erläuterungen aus dem Baudezernat zum Lärmschutz. Nachdem man mit einem Überschreiten der Grenzwerte rechnet, soll der Lärm kontingentiert werden. Wie soll sich das der Bürger vorstellen? Bevor die Lärmemission kritisch wird, werden die Maschinen abgeschaltet und an anderer Stelle des Gewerbegebiets wird dann wieder losgelegt? Oder gibt es Lärmzertifikate, die wie CO2 Emissionen gehandelt werden können? Gespannt darf man auch sein auf den optischen Eindruck von 4 bis 7 Meter hohen „eingeschobenen Lärmschutzwänden“, die vom Baudezernenten ins Spiel gebracht werden.

Eine verblüffende Offenbarung stellt die beiläufige Bemerkung Herrn Seidels dar, dass in Weiden West I bis III noch 20% der Flächen einer Nutzung harren. Die Befürworter von West IV haben doch genau mit dem Argument gearbeitet, dass keine Gewerbeareale mehr verfügbar seien. Ein eklatanter Widerspruch zu Frau Taubmann, die alle gewerblichen Flächen „bis auf wenige in privater Hand einer Nutzung zugeführt“ sieht (Der Neue Tag vom 23.1.2021).

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dem kritischen Bürger, dem die Attribute „frei“ und „emotional“, aber halt auch unwahr agierend (Kommentar in Der Neue Tag vom 20.1.2021) attestiert werden, von der Stadtspitze die schwierige Aufgabe überlassen wird, die Suche nach der wahren Wahrheit täglich neu zu starten. Die Taktik, sich widersprechende Information scheibchenweise an die Bürger weiterzugeben, wird wahrscheinlich für die Verfechter von Weiden West IV ins Auge gehen.

Dr. med. Karlheinz Mark
Weiden, 31. Januar 2021

Leserbrief zum Artikel NT vom 28.01.2021

Mit großem Interesse und einer guten Portion Wut verfolge ich die Berichterstattung im Neuen Tag. Je mehr ich über diesen Wahnsinn „Weiden West IV“ erfahre, die Fakten werden uns ja nur scheibchenweise und wie Knochen hingeschmissen, desto mehr Fragen stellen sich mir.
Abgesehen von den nicht widergutzumachenden Schäden an unserer direkten Umwelt (Waldverlust, Flächenversiegelung, Lärmbelastung, schmutzige Luft, verseuchtes Wasser und mehr als 30 geschützte, dann aber heimatlose Tierarten), die so ein völlig überholtes, einseitig betrachtetes und damit total sinnloses Mammutprojekt anrichtet, mache ich mir große Sorgen über die zu erwartende Verkehrslage hier im Westen der Stadt.
Was genau haben SIE – die gewählten Stadträteinnen (speziell die aus dem Weidener Westen) – mit dem Stadtteil Weiden West eigentlich wirklich vor? Wollen Sie allen Ernstes zwei ganze Stadtteile Weidens einfach so abhängen? Aus der Berichterstattung geht u.a. hervor, dass sowohl das Linksabbiegen aus der Pressather Straße und auch das Linksabbiegen aus der Weiding nicht mehr möglich sein könnte. Ich schließe ferner daraus, dass dann auch ein Überqueren der B470 nicht mehr erlaubt sein wird. Hält man uns Bürger denn für blöd? Am Ende wird die Pressather Straße ins Gewerbegebiet verlängert, die Kreuzung Alpenrose geschlossen und der gesamte Verkehr läuft durch den Stadtteil. Gerüchte machen die Runde, dass auch die Deutsche Bahn dann den Bahnübergang beim Gasthof „Alpenrose“ schließen wird. Dann haben wir aber wirklich fertig!!!! Ist den Stadträteninnen eigentlich klar, was das für uns hier im Weidener Westen bedeuten würde?
Einfach ABGEHÄNGT !!!!!!!! sage ich da nur.
Abgehängt, abgeschrieben, allein gelassen!!!!! Bürger zweiter Klasse!!!!! vielen Dank dafür!!!!
Was ist das denn für eine bürgerunfreundliche Politik? Klar, die großen Herren schauen vom Weidener Osten gönnerhaft zu uns herüber. Die feinen Damen und Herren aus den angrenzenden Stadtteilen (bspw. Rothenstadt, Schirmitz, Frauenricht) scheren sich sowieso nichts um uns. Vielmehr sind sie wohl ganz erleichtert, dass es den Weidener Westen erwischen soll. Dazu sage ich nur eins: „Heute sind es WIR und morgen SIE“.
Mein Appell an die gewählten Stadträte*innen aus dem Weidener Westen – unterstützt und helft uns bitte!
Wir sind nämlich nicht weniger wert, als der Rest der Stadt.

Helvi Lorenz
Weiden, 30. Januar 2021

Ist West IV eine zukunftsfähige Maßnahme?

Leserbrief an den NT

Der zusammenhängende Wald in West IV wird für immer verloren sein – Flora und Fauna werden auf einer Anzahl kleinerer Waldflecken, verteilt über mehrere Landkreise, auch bei bestem Willen und selbst nach 50 Jahren nicht mehr wiederkehren.

Was bleibt wird eine Industriefläche oder Brachland sein, das sich im Sommer aufheizen wird: darüber werden sich ohne Nachteile für andere nur Segelflieger(-schüler) freuen, die mit ihrem emessions- und lautlosen Thermikspiel davon profitieren werden – nicht aber die Menschen, über deren Stadt die angewärmte (saubere?) Luft aus Westen über das Stadtgebiet strömen wird.

Auf der Ebene der Bundesrepublik gab es in den 6oer Jahren eine vergleichbare Diskussion: keine Bodenschätze, die wenigen wie Kohle nicht mehr attraktiv. Also war ein Umdenken in Richtung Bildung nötig, um international mithalten zu können. So ähnlich geht es heute der Stadt Weiden als kleinerer sozial- und wirtschaftspolitischen Einheit: Es gibt keine Industrieflächen mehr. Was ist die Losung? Weitersuchen und den letzten Quadratmeter, dabei auch Tafelsilber und das Erbe hergeben? Eine kostenintensive Flächensuche. die immer neue Probleme schafft und Umweltbelange geringer schätzt, dürfte nicht wirklich zukunftsorientiert sein – selbst wenn West IV oder eine andere Fläche gerodet würde. Oberbürgermeister. Stadtrat und die Fachleute müssten hellhörig werden und die Zeichen der Zeit nutzen. Es hat sich die Welt verändert!

Roswitha und Hans-Georg Aigner
Weiden, 28. Januar 2021

Leserbrief an den NT

Wir empören uns oder trauern, wenn Wildtieren auf Borneo ihr Lebensraum genommen wird,

wir rümpfen hochnäsig unsere Nasen, wenn Regenwald in Brasilien abgeholzt wird,

wir finden es völlig in Ordnung, wenn in Bayern, in der Oberpfalz ein „Gewerbegebiet statt Wald“ entstehen soll?

So gaeiht des G’schpül niat, liabe Leit!

Irene Kassubek
Weiden, 12. Januar 2021


Leserbrief vom vrstl. 8. Januar 2021

Eine Stadt hat Aufgaben, die sie erfüllen muss und diese Aufgaben kosten Geld, das ist unbestritten. Die Gelder hierfür bekommt unsere Stad aber nur zu 14% aus der Gewerbesteuer, das heißt zu 86% aus anderen Quellen. Die Gewerbesteuer soll(te) von den ansässigen Unternehmen bezahlt werden, wobei in Weiden scheinbar nicht alle ansässigen Unternehmen entsprechend belastet werden. Nun soll es West IV richten, obwohl wir bereits etliche Gewerbegebiete haben, in denen auch seit Jahren Flächen nicht bebaut sind.

Ist es wirklich der richtige Schritt in Richtung Zukunft das Gewerbegebiet an der geplanten Stelle zu errichten? Hier geht es nicht nur um „ein paar Bäume“, ein Wald ist ein komplexer Lebensraum für Tiere, Pflanzen, Pilze usw. von dessen intaktem bestehen letztendlich auch der Mensch profitiert. Bei der Prüfung der Standorte wurde die Variante, den defizitären Flugplatz endlich stillzulegen und das Gebiet direkt an der Ausfahrt „Frauenricht“ anzusiedeln nicht berücksichtigt, ebenso wurde beim Thema Lärm nur die Emission des Gewerbegebietes, aber nicht der Verkehrslärm entlang der B470 betrachtet.

Ebenso kann die Stadt keine Gewerke nennen, die angeblich so dringend dort bauen wollen. Ich vermute, dass der eine immer genannte Handwerksbetrieb selbst im Stadtrat vertreten ist und vom Bau West IV persönlich profitiert.

Zudem irritiert die Aussage von Jens Meier „niemand hat die Absicht den Wald abzuholzen“ da sie doch sehr an Walter Ulbricht erinnert. Was danach passierte ging unrühmlich in die Geschichtsbücher ein.

Das Vorgehen der Stadt mit Ihrer Informationspolitik mehr als fraglich. Das „Aktionsbündnis Walderhalt“, also die Gegenseite, wurde kurz zu Informationen befragt, aber keine versprochenen Rückrufe wurden seitens der Stadt eingehalten. Zudem wird die Flyeraktion, Ausstellung usw. der Stadt mit Steuergeldern finanziert, während das Aktionsbündnis mit privaten Spenden auskommen muss, obwohl laut Gesetz hier die selben Chancen und Unterstützung gewährt werden muss.

Um Kosten zu sparen und Gewerbesteuer zu generieren, wäre auch eine Idee, den Oberzentrum-Unfug zu vergessen und einen großen Landkreis Neustadt-Weiden zu schaffen, das spart auch viele Kosten bei Verwaltung, Regierung usw. und vereinfacht viele Prozesse.

Peter Trottmann


Fairness fühlt sich anders an

Ja, das waren wohl meine ersten noch etwas diffusen Gedanken nach der Lektüre des NT-Artikels „Wald ist wichtig, Gewerbesteuer noch wichtiger“

Schon dieses Statement, mit dem die Bürger auf der Homepage der Stadt Weiden auf das Ratsbegehren bzw. den Bürgerentscheid zu West IV eingestimmt werden sollen, lässt erkennen: Jetzt geht die Stadt voll in die Offensive. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen jetzt keine Rolle mehr spielen, es geht schließlich um zu erwartende sprudelnde Geldquellen,  sprich Gewerbesteuer. Nicht nur die Homepage und eine Informationsbroschüre sollen die Bürger für das Ja zum Gewerbegebiet erwärmen. Geplant sind zusätzlich Ausstellungen im Foyer des  Neuen Rathauses, das in der Dämmerung sogar beleuchtet werden soll ,damit man sich auch noch am Abend für diese tolle Idee der Stadt Weiden begeistern kann. Zusätzliche Ausstellungsflächen sollen  NOC und City-Center bereit halten. Darüber hinaus  soll die digitale Informationstafel der SGW Stadtbau  (Tochterunternehmen der Stadt Weiden) für den „sachlichen Imput“ (aus Sicht der Stadt) sorgen.

Ich frage mich schon, ob das noch fair ist, wenn die Stadt solche Werbekampagnen aus Steuermitteln finanziert, während vom Aktionsbündnis „Walderhalt“ jede Ausgabe aus privaten Mitteln finanziert werden muss???

Ist es überhaupt fair, wenn die Stadt mittels Ratsbegehren auf einen bereits fahrenden Zug auffährt und damit die Anstrengungen besorgter Weidener um einen Bürgerentscheid unterläuft? Diese haben  sich immerhin wochenlang bei Wind und Wetter um Unterschriften  bemüht und müssen sich jetzt irgendwie betrogen fühlen Ein NEIN der Gegner hätte doch auch gereicht.

Bei der Übergabe der Unterschriften hat OB Jens Meyer „volle Transparenz“ versprochen. Ein „sachlicher Imput“ sieht in meinen Augen anders aus. Die Bedenken des Aktionsbündnisses gegen das Gewerbegebiet werden zwar in stark verallgemeinender Form zitiert (Ohne Rücksprache mit den Betroffenen! ) Auf Informationen über Umfang und Layout  der städt. Broschüre wartet man bis heute vergeblich.

Das Aktionsbündnis hat sich streng an die Corona-Auflagen gehalten und seit Oktober keine öffentlichen Treffen mehr durchgeführt. Davon sind die Mitarbeiter der Stadt nicht betroffen. Kann man da noch von „Waffengleichheit“, wie es die Bayr. Gemeindeordnung vorsieht, sprechen?

Gewerbesteuer ist wichtig, aber der Wald ist, wie auch der Bericht im NT  vom 30.Dez. zum Referat von Dr. Ralf Straußberger eindringlich vor Augen führt, in Zeiten des Klimawandels wohl noch wichtiger !!!

WANN BEGREIFEN WIR ENDLICH, DASS ES UM DIE ZUKUNFT UNSERER KINDER GEHT? DER KLIMAWANDEL MACHT AUCH VOR DEN TOREN WEIDENS NICHT HALT!

Brigitte Frömmer

Weiden 1. Januar 2021


Irene Kassubek – Veröffentlicht (Kürzung) vom NT am 02.12.20

Zum Artikel „Weiden braucht West IV“ vom 28.11.20

Weiden braucht den Wald!

Sehr geehrter Herr Liedl, ich gratuliere zum neuen Posten als Wirtschaftsförderer der Stadt Weiden! Noch gar nicht im Amt, ergreifen Sie sogleich Partei für das geplante Gewerbegebiet „Weiden West IV“. Es sei von höchster Relevanz, „weil es schon seit zehn Jahren in der Diskussion steht.“

Vielleicht fragen Sie sich einmal, warum das Gewerbegebiet noch nicht realisiert wurde. Nein, es haben sich keine Naturschützer an Bäume gekettet, und es gibt auch bisher keine Klagewelle zur Verhinderung der Rodung! Es ist vielmehr so, dass man vor Jahren einen vollkommen ungeeigneten Ort für das Gewerbegebiet gewählt hat, einen gesunden Staatsforst, der unserer Stadt bislang nicht einmal gehört! Kauf eines Tauschwaldes in Franken, Erwerb von Ausgleichflächen und viele Gutachten waren die ersten Erfordernisse.  Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet, Rodung, Planierung, Hochwasserschutz, Verkehrskreisel … das stünde bevor. 120 Euro für den Quadratmeter Gewerbegrund wären zu zahlen. Im Umland gibt es Flächen für 30 Euro pro Quadratmeter, voll erschlossen! 500 000 Bäume im Westen Weidens zu vernichten, ist die teuerste aller Optionen und auch die schlechteste: Frischluft und sauberes Wasser für Weiden kommen aus unseren stadtnahen Wäldern! Die derzeitige erneute Standortalternativenprüfung beweist: Alternativen sind denkbar. Sechs weitere Gebiete würden sich grundsätzlich für ein Gewerbegebiet von ausreichender Größe eignen, und, wie man in der Stadtratssitzung am Montag erfahren konnte, alle sind umweltverträglicher als „Weiden West IV“. Es ist eine Frage des politischen Willens sich neu zu orientieren!

Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass das Thema „Weiden West IV“ einmal zum Ende kommen sollte „und zwar zu einem guten Ende“. Gut für den Wald und die dortige Tierwelt, weil sie bleiben dürfen, gut für die Weidener, weil sie den Forst weiter zur Erholung nutzen können und noch schlimmerer Güterverkehr ausbleibt, gut für die Zukunft unserer Stadt. Nicht in Konkurrenz zu umliegenden Gemeinden können wir punkten, sondern durch überlegte Zusammenarbeit, von der alle profitieren! Gewerbe ja, aber am richtigen Platz!

Irmi Eckel-Schönig


Ratsbegehren-Brauchen wir das wirklich?

 

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Eigentlich eher nicht, denn die abgegebenen 2950 Stimmen des Aktionsbündnisses für den Walderhalt statt West IV sprechen doch schon eine klare Sprache:

Weidens Bevölkerung steht keineswegs so einhellig hinter den seinerzeit gefassten Stadtratsbeschlüssen für das geplante Gewerbegebiet West IV.

Ist es der Mut der Verzweiflung beim Oberbürgermeister und vieler seiner Stadtratskollegen, der sie veranlasst, zu versuchen, was eigentlich so  nicht  zu retten ist. Denn auch Weidens Bürger sind längst wach geworden, haben die Zeichen der Zeit erkannt und spüren, dass der Flächenfraß in Naturgebieten nicht hemmungslos weitergehen kann.

Man bedenke :Fast 3000 wahlberechtigter Weidener Bürger – es wären noch viel mehr gewesen, wenn man die sich von dem Gewerbegebiet betroffenen  Landkreisbewohner gelassen hätte!!! – haben für ein Bürgerbegehren unterschrieben. Fast 3000: das sind mehr, als es die nackten Zahlen zunächst vermuten lassen, nämlich fast zehn Prozent der wahlberechtigten Weidener Bevölkerung! (Dank an die vielen fleißigen Unterschriftensammler!) Sie alle sorgen sich um das Wohl der Stadt, das eben nicht nur von den durch das Gewerbegebiet zu erwartenden Gewerbesteuern abhängt.

Geht es nicht vielmehr um LEBENSQUALITÄT, die den Bewohnern von Weiden-West schon jetzt zusehends abhandenkommt, wenn man nur die wachsenden Verkehrsströme auf der B 470 , die immer mehr auch die Anwohner der Pressather Str. zu spüren bekommen, bedenkt. Das können natürlich Stadträte, die sich den Weidener Osten oder Rothenstadt als Wohnsitz auserkoren haben,  nicht so recht nachempfinden

Machen es sich der Oberbürgermeister bzw. der Stadtrat nicht etwas zu leicht, wenn sie mit einem Gegenentwurf zum Bürgerbegehren des Aktionsbündnisses, nämlich dem Ratsbegehren, auf den bereits fahrenden Zug des Aktionsbündnisses aufsteigen, um auf diese Weise das geplante Bürgerbegehren zu konterkarieren?

FAIR wäre es doch vielmehr, den mündigen Bürger entscheiden zu lassen und mit einem klaren JA oder NEIN zum Aktionsbündnis entscheiden zu lassen, was ihm wichtiger ist: Arbeitsplätze, von denen er allerdings nicht weiß, um welche es sich überhaupt handelt und ob die benötigten Facharbeiterstellen überhaupt bereitstehen. Auch eine zu erwartende Kostenexplosion bei der verkehrstechnischen Umsetzung der Pläne darf sie natürlich nicht abschrecken!

Oder sollte er nicht vielleicht doch ein mit einem  JA zum Walderhalt ein Zeichen setzen dürfen, dass auch die Weidener die Zeichen der Zeit verstanden haben , um Lebensgrundlagen zu sichern, die sonst unwiederbringlich verloren gehen.

Arbeitsplätze ja- aber nicht um jeden Preis. Hier gilt es Kreativität zu zeigen , denn Flächenfraß und Naturzerstörung waren gestern , heute gilt es alles zu tun , um dem Klimawandel entgegen zu wirken

Nov. 2020


„Schlagabtausch der Kandidaten“ vom 2.3.20

Überreife Argumente zu Weiden West IV

Der Wald sei Nutzwald und überreif. „Das sagen alle Gutachten“, so Christian Deglmann von der Bürgerliste. Solche „Argumente“ von örtlichen Politikern, die offenbar von nachhaltiger Forstwirtschaft noch nicht gehört und den betroffenen Wald im Weidener Westen nie betreten haben, hören wir nun schon lange, sie sind überreif! Wenn es ein einziges Gutachten gibt, dass solchen Unsinn behauptet, so bitte ich darum dies der Öffentlichkeit zu vorzulegen! Die ältesten Bäume im Waldgebiet sind gut hundert Jahre alt (einige wertvolle Biotopeichen noch älter) und können noch Jahrhunderte stehen. Die Anzahl der vorhandenen Bäume bleibt bei Bewirtschaftung in etwa gleich, und damit auch die Masse des gespeicherten CO².  Die Forstwirtschaft entnimmt in regelmäßigen Abständen das, was an Holzmenge zugewachsen ist. Ob ein solcher Nutzwald oder ein Naturwald besser für das Klima ist, darüber streiten die Experten. Eins ist jedoch sicher: Bei einer Rodung wird sehr viel schädliches CO² freigesetzt, der Großteil davon befindet sich im Waldboden. Die vielen Funktionen des Waldes für uns Menschen, wie Kohlendioxid zu binden, Sauerstoff zu erzeugen, Regenwasser zu filtern und zu sammeln sowie in heißen Sommern für kühlere Luft zu sorgen, entfallen dann komplett. Ich hoffe sehr, dass überholtes Denken in unserem nächsten Stadtrat keine Mehrheit finden wird! Jeder Wald ist von unschätzbarem Wert! Waldschutz ist Klimaschutz!

Irmi Eckel-Schönig

Weiden